Ueli Baruffol ist bei Pakka für die Kooperation mit den Südpartnern zuständig. Als solcher besucht er unsere Partner im Süden regelmässig und verhandelt mit ihnen über Rohwarenhandel und Finanzierung im kommenden Geschäftsjahr. Auch der Ideenaustausch zu neuen Produkten, die lokale Wertschöpfung und die Philosophie des fairen Handels stehen im Zentrum seiner Reisen. In diesem Blogbeitrag erzählt Ueli von seiner jüngsten Reise nach Indien.

 

Anfang Januar war es wieder so weit. Einmal mehr hiess es: Koffer packen und ab nach Indien! Als Pakkas offizieller Nusshändler reise ich mehrmals pro Jahr zu unseren Südpartnern, die – der Name verrät es – von uns aus betrachtet im Süden der Welt zu Hause sind. Die Kontaktpflege mit unseren Südpartnern ist wichtig, denn sie spielen eine wichtige Rolle in der Lieferkette der Pakka-Produkte.

 

Fair Trade in Indien: Ein wirtschaftliches und soziales Schwergewicht

Südpartner sind kleine Handelsunternehmen, die lokale Produkte exportieren und dabei sehr eng mit Kleinbauern- oder Produzentenkooperativen zusammenarbeiten. Diese Kooperativen verhandeln im Interesse der Bauern und Produzenten eine einheitliche Preispolitik, sie bieten Beratungen zu wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Themen an und geben den Produzenten nicht nur ein wirtschaftliches Gewicht in ihrer Gemeinschaft, sondern oft auch eine politische Stimme auf lokaler Ebene. Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene haben diese Kooperativen einen positiven Effekt: Sie bilden stabile soziale Netzwerke unter den Kleinbauern und Produzenten, wo Austausch von Wissen, Darlehen unter Nachbarn und gegenseitige Unterstützung in Notsituationen gefördert werden.

 

Max Havelaar, Bio Suisse und EU-Normen: Fair Trade und Bio auf höchstem Niveau

Ziel meiner Reise war der Besuch bei unserem Südpartner Elements im Staat Kerala, ein Küstenstreifen im Südwesten Indiens. Nach der Ankunft in Mumbai und einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht im Flughafenhotel ging es für mich weiter nach Kozhikode, einer Küstenstadt mit über 400’000 Einwohnern. Dort erwartete mich Tomy Mathew, der mich durch meinen indischen Aufenthalt begleiten sollte. Tomy ist Gründer und Geschäftsführer von Elements, das er zusammen mit seiner Frau Seepja aufgebaut hat. Elements ist eine Exportfirma für Fair Trade-Produkte und arbeitet unter anderem mit der Produzentenkooperative Fair Trade Alliance Kerala (FTAK). Die FTAK wiederum vereint unter ihrem Dach über 4‘500 Mitglieder, die sich im biologischen Landbau engagieren, sich für Ernährungssicherheit einsetzen, Biodiversität auf den Farmen fördern und die Rolle der Frauen in der Gemeinschaft stärken. Ein grosser Teil der Produkte der Fair Trade Alliance Kerala ist nach den Richtlinien von Max Havelaar, Bio-Suisse und/oder nach der EU-Verordnung für biologischen Landbau zertifiziert.

 

Biologisches Kokosnuss-Öl interessiert auch indische Journalisten

Tomy und seine Geschäftspartner sind Fair Trade-Verfechter der ersten Stunde und setzen sich mit viel Leidenschaft für das Thema ein. Sie ermöglichen mir ausserdem den direkten Kontakt zu Produzenten und Bauern und organisieren bei jeder meiner Reisen entsprechende Besuche. Diesmal stand die Besichtigung einer Verarbeitungsanlage für biologisches Kokosnuss-Öl auf dem Programm. Begleitet wurden wir von einer Journalistin der Zeitung «The Economic Times». Das Thema Kleinproduzenten und Bio-Landwirtschaft interessiert nämlich auch in Indien zusehends (den Artikel aus der Indian Times gibt es übrigens hier zu lesen). Bei einem kurzen Rundgang lernten wir den aufwendigen Herstellungsprozess kennen, der am Ursprung des Kokos-Öl steht, der als Pakka-Produkt den Weg in unsere Küchen findet. Wir staunten über die Mengen an halbierten Kokusnüssen, die zum Trocknen in der Sonne lagerten und über die sorgfältige Handarbeit, die für die Herstellung des Öls nötig ist.

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Die Kokosnüsse werden an der Sonne getrocknet.

 

Bunt, laut und unterhaltsam: Promotionsveranstaltungen in Indien

Die Tage nach der Fabrikbesichtigung verbrachte ich mit Tomy und seinen Geschäftspartnern an verschiedenen Promotionsveranstaltungen für das sogenannte Seed Festival, das «Saatgutfest» also, das Jahr für Jahr die wichtigste Veranstaltung der FTAK ist. Dieses Jahr stand es aber unter einem besonderen Stern, da damit auch das 10-jährige Bestehen der FTAK gefeiert wurde. Jede Veranstaltung wurde von einem bunten Kleinwagen mit Flugblättern und einem unglaublich lauten Megafon auf dem Dach begleitet. Mein Fazit zu indischen Promotionsveranstaltungen: Sie sind bunt, sie sind laut und sie sind sehr unterhaltsam. Ziemlich sicher wären sie auch inhaltlich wirklich interessant, nur verstehe ich leider kein Malayalam, die Sprache der lokalen Bevölkerung.

Der Gedanke hinter dem Seed Festivals ist es, den Austausch und damit den Erhalt seltener traditioneller Pflanzen zu fördern. Gerne wird die Präsentation des Saatguts den Kindern überlassen, die dann mit den teils sehr exotisch aussehenden Pflanzen durch Dörfer und Städte laufen und stolz die Vielfalt der lokalen Pflanzen präsentieren. Und diese Vielfalt ist tatsächlich beeindruckend, immer wieder wurde mir eine Frucht zum Probieren zugesteckt, von denen ich die meisten noch nie zuvor gesehen hatte.

Kinder Seed Fest

Kinder präsentieren am Seed Festival die Artenvielfalt der Region

 

Zürich und Mumbai, ähnlicher als erwartet

Vielfalt war dann auch an meinen letzten Tagen in Indien das vorherrschende Thema. Ich besuchte mit Tomy drei verschiedene Farmen, deren Besitzer sich auf Elefantenfuss-Yams (eine Art Süsskartoffel) und Kaffee, Kardamom und Milch, Muskatnuss und Kautschuk, Bienen, Reis und verschiedenes Gemüse spezialisiert hatten.

Mit all diesen Eindrücken machte ich mich nach nur einer Woche wieder auf in Richtung Zürich. Zurück im Pakka-Büro fand ich dann doch eine Ähnlichkeit zu Indien: Die Dauerbeschallung von der Baustelle an der Hardbrücke ist in etwa vergleichbar mit dem Lärmpegel des Promotionwagens in Kerala.